1000mikes - das Talk Radio
05.05.2008
Ab und zu sollte man über den eigenen Tellerrand schauen und über etwas anderes als Speed Dating berichten. Eine der besten Ideen dieses Jahres ist 1000mikes, ein Sprechradio, bei dem jeder User zum Moderator werden und einfach per Telefon live über Events aus z.B. Sport oder Politik berichten kann. Ich habe Frank Felix Debatin, einen der Gründer von 1000mikes, getroffen und zu der Idee hinter der Plattform interviewt.
Frage: Am 26.03. ist Eure Website 1000mikes.com gestartet. Ihr wollt mit Eurer Plattform eine Art Rundfunk von Bürgern für Bürger etablieren. Was muss man sich darunter vorstellen, und wo liegt der Unterschied zum Podcasting?
Frank Felix: Auf 1000MIKES kann jeder ohne technische Vorkenntnisse oder eine besondere Ausrüstung Radio machen. Einfach mit dem Telefon unserer Hamburger Rufnummer wählen, Sterntaste drücken – und man ist „live on air“.
Wir sind allerdings kein Musikradio, sondern Sprechradio – oder Talk Radio, wie es in den USA heißt – und unsere Nutzer erzählen, diskutieren, kommentieren jedes erdenkliche Thema, ob Sport, Politik oder Alltag. Jeder ist willkommen.
Im Unterschied zum Podcasting ist bei uns alles live. Der Podcaster zeichnet eine Sendung mit dem Computer auf, und stellt sie zum Download ins Netz. Bei uns heißt es: senden, und die Zuhörer sind live dabei, und können auch die Sendung direkt kommentieren.
Frage: Im Zuge des Youtube-Erfolgs sind in den letzten Jahren ziemlich viele Video-Plattformen entstanden. Das bewegte Bild scheint nicht nur die Herzen der Investoren sondern auch der Nutzer schneller schlagen zu lassen. Was hat Euch bewogen, entgegen dem allgemeinen Trend auf das gesprochene Wort zu setzen? Schließlich gibt es im Live-Streaming-Bereich auch schon die ersten Ansätze.
Frank Felix: Audio und Video sind zwei ganz verschiedene Stiefel. Audio, das ist Radio und Telefon: einfach und direkt, aber auch emotional und authentisch. Die menschliche Stimme kann dir oft mehr vermitteln, als eine teuer produzierte Kameraeinstellung. Weniger ist manchmal mehr! Brauche ich für eine spannende Reportage einen Videocut? Nein. Brauche ich für einen tollen Talk das Bild vom Studio? Nicht wirklich.
Wir glauben an das Potential des Mediums Radio. Radio, das ist einfach mehr als das „Beste der 80er, 90er und von heute“. Vielleicht ist im terrestrischen Rundfunk aufgrund der strukturellen und ökonomischen Randbedingungen derzeit nicht mehr drin, aber im Web haben wir das Potential, das Medium Radio zur vollen Entfaltung kommen zu lassen. Und das wollen wir mit 1000MIKES erreichen.
Frage: Nicht nur von der Idee sondern auch vom technologischen Aufwand her hebt sich 1000MIKES deutlich von der Masse neuer Startups ab. Habt Ihr die gesamte Technik selbst entwickelt oder setzt Ihr auch auf das Know How externer Dienstleister?
Frank Felix: Die Technik hinter 1000MIKES ist durchaus anspruchsvoll. Die Schwierigkeit liegt im Live-Aspekt. Das Internet ist im Gegensatz zum Rundfunk oder dem Telefonnetz nicht auf Live-Übertragung ausgelegt. Dennoch ist der Live-Charakter ohne Verzögerung für uns unverzichtbar – egal ob für eine Livereportage oder den Mitmach-Talk.
Unser Ziel ist es dabei, unsere Nutzer nicht mit der Komplexität der Technik im Hintergrund zu belasten. Stattdessen soll 1000MIKES so einfach sein, wie Telefon oder Radio. Umso wichtiger ist es, daß wir die Technik selber völlig im Griff haben, und die Entwicklung nicht externen Dienstleistern überlassen. Die Kernelemente wie die Live-Audio-Verarbeitung haben wir selbst entwickelt, uns sonst aber sehr stark auf frei verfügbare Open-Source-Komponenten verlassen.
Frage: Ihr seid noch in der Betaphase. Wie war die Kritik und das User-Feedback bisher? Welche Entwicklungen darf man in der nächsten Zeit von Euch erwarten?
Frank Felix: Es ist natürlich unglaublich spannend zu sehen, was für Sendungen auf 1000MIKES jetzt tatsächlich gemacht werden. Wir freuen uns über jede Sendung und bekommen auch sehr viel Feedback von den Moderatoren. Was wir dabei gelernt haben ist, daß unsere Moderatoren das Medium Radio voll ausschöpfen wollen. Das heißt, sie wollen auch Musik – und zwar nicht Charts-Musik, denn mit der sind wir genügend versorgt, sondern Musik als Ergänzung zur Sprache, als Bereicherung ihrer Sendung – und sie wollen Talk mit ihren Hörern. Beide Punkte werden wir aufgreifen, in einer möglichst elementaren Weise, in der die Einfachheit von 1000MIKES nicht verloren geht. Als Ergänzung zu den Kommentaren in Textform, die man jetzt schon live zur Sendung schreiben kann, wird es in Kürze daher auch „Call-Ins“ geben: anrufen, mit-talken.




